


Die Träume der Olympiasiegerin
Darja Varfolomeev
Die rhythmische Sportgymnastin Darja Varfolomeev ist in Deutschland zu einer wahren Sensation geworden. Sie zeigte unglaubliche Meisterleistungen, die für deutsche Sportlerinnen jahrzehntelang unerreichbar waren, indem sie Goldmedaillen in den Weltmeisterschaften (2022, 2023, 2025) und bei der Olympiade (2024) gewann
Darja Varfolomeev kam 2006 in Barnaul, Russland, in einer Familie russlanddeutscher Abstammung zur Welt. Als das Mädchen drei Jahre alt war, meldete ihre Mutter (in Vergangenheit selbst rhythmische Sportgymnastin) die kleine Dascha in der Sportschule an, in der sie früher selbst trainiert hatte. Das Mädchen war fasziniert von den schwebenden Bändern, den fliegenden Keulen, Reifen und Bällen der Gymnastinnen, und besuchte das Training sehr gerne
Aber es fiel ihr sehr schwer, erste Siege in einer Sportart mit so hoher Konkurrenz, besonders in Russland, zu erzielen. Schon mit jungen Jahren hielt sie sich an die Regel, nicht auf den Bildschirm zu schauen, wenn die Ergebnisse des Auftritts verkündet werden, um nicht enttäuscht zu sein oder gar vor den Augen der Zuschauer zu weinen
Rhythmische Sportgymnastik hat eine Besonderheit: Die besten Leistungen erzielen die Sportlerinnen als Teenager und junge Erwachsene. Aber als die Zeit für Hochleistungen kam, wurde Darja, wie auch viele andere Sportgymnastinnen ihrer Generation aus Russland, ohne eigene Schuld die Teilnahme an internationalen Sportveranstaltungen verboten
Nach dem Dopingskandal bei der Olympiade in Sotschi 2014 wurden Sportler:innen aus Russland immer öfter von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen. Viele Eltern hatten objektiv Angst um ihre Kinder, die Hochleistungssport trieben. Darunter auch Darjas Eltern
In dieser schwierigen Lage halfen der jungen Darja Varfolomeev ihre deutschen Wurzeln. Außer der russischen Staatsbürgerschaft verfügte sie noch über einen deutschen Pass. Ihre Mutter Tatjana kontaktierte den Deutschen Turner-Bund e.V., und 2018 wurde Dascha eingeladen, sich dort vorzustellen
Die deutschen Trainer:innen erkannten das Potential der jungen Sportlerin. Man schlug den Eltern vor, sie in ein spezielles Internat nach Baden-Württemberg zu schicken, wo künftige Spitzensportler:innen trainiert werden. Dascha war damals erst 12, und doch unterstützte sie ihre Eltern bei der Entscheidung. Das Mädchen würde dort drei Jahre verbringen und dabei gleichzeitig in der Schule lernen und Sport treiben
2021 entschloss sich die ganze Familie (Mutter, Vater und Daschas Bruder Alexander) zu einem Umzug nach Deutschland, weil die Mentor:innen des Mädchens ernsthaft von seinem Potential und einer erfolgreichen Zukunft zu sprechen begannen – Dascha hatte sich für die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen qualifiziert und wurde in die Nationalmannschaft aufgenommen
Die Teamchefin der deutschen Mannschaft in rhythmischer Sportgymnastik Isabell Sawade kümmerte sich darum, dass Darja von echten Profis betreut wurde. Eine davon war Julija Raskina, ehemalige belarussische Sportlerin und Silbermedaillen-Gewinnerin der Olympischen Spiele in Sydney 2000, die im Wettkampffinale die russische Sportlerin Alina Kabajewa überholte
Isabell Sawade ging davon aus, dass sich die Trainerin und ihr Schützling gut verstehen würden. Damit meinte sie vor allen, dass Russisch sowohl Daschas als auch Julijas Muttersprache ist. Jedoch zeigte die erste Teilnahme an zwei großen Wettkämpfen – dem Weltcup und der Europameisterschaft 2022 keine herausragenden Ergebnisse
Allerdings lag die Chefin der deutschen Nationalmannschaft mit ihrer Intuition richtig, denn sie hatte den Erfolg des Tandems vorhergesehen: Bei der Weltmeisterschaft, die im selben Jahr 2022 in Bulgarien stattfand, zeigte Darja Varfolomeev einen makellosen Auftritt mit den Keulen und erhielt ihre erste Goldmedaille. Für Deutschland, das sie vertrat, was das die erste Auszeichnung seit 47 Jahren!
Lange Zeit wurde die deutsche Nationalmannschaft in rhythmischer Sportgymnastik von Rivalinnen aus anderen Ländern nicht ernst genommen. Jedoch konnte Darja die Situation maßgeblich verändern. In den letzten Jahren hat diese Sportart auch in Deutschland viele Fans gewonnen, und Darja Varfolomeev wurde zu ihrer inoffiziellen Botschafterin und zu einer gefährlichen Gegnerin für andere Gymnastinnen
2023 fuhr die aufsteigende Sportlerin nach Spanien zur 40. Weltmeisterschaft in rhythmischer Sportgymnastik, und dort geschah ein wahres Wunder – Darja überholte ihre Gegnerinnen eine nach der anderen und gewann fünf Goldmedaillen. Das war eine völlig unerwartete Sensation

2024 ging es für Darja Varfolomeev in Begleitung ihrer Trainerin Julija Raskina zu den Olympischen Spielen nach Paris. Das war ein aufregender Augenblick, aber Julija gelang es, ihre Gefühle zu verbergen und Dascha auf den Sieg einzustellen. Sie waren erfolgreich, das Ergebnis war unglaublich – Dascha präsentierte ihr Programm perfekt und wurde zur ersten deutschen Olympiasiegerin in dieser Sportart!
Zur Ehrung des Mädchens im Olympischen Haus des Teams Deutschland versammelten sich alle Sportler:innen der deutschen Nationalmannschaft. Zu dem Treffen kam auch der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz, der ein Selfie mit ihr machte. Die Olympiasiegerin hatte nicht erwartet, dass sie schlagartig so berühmt sein würde, sie wurde sogar bei Spaziergängen von deutschen Fans erkannt, die sich bei ihr bedankten

Darja und ihre Trainerin Julija Raskina ruhten sich aber nicht auf ihren Lorbeeren aus. Ein neuer Triumph war die Weltmeisterschaft in Brasilien. Die deutsche Sportgymnastin überholte erneut ihre Gegnerinnen und wurde absolute Spitzenreiterin in allen Disziplinen








Somit hat Darja mit ihrem Rekord die russische Sportlerin Jewgenija Kanajewa eingeholt. Bislang gelang es nur den beiden, zweimal je fünf Goldmedaillen in jeder Weltmeisterschaft zu gewinnen: Jewgenija gelang dies 2009 und 2011, Darja – 2023 und 2025


Bis zum Alter von 18 Jahren hat Darja Varfolomeev bereits 24 Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften, sowie bei den Olympischen Spielen gewonnen, 15 davon sind Gold
Die Internationale Sportkorrespondenz wählte sie mit Mehrheit zur deutschen „Sportlerin des Jahres 2024“
Darjas Traum ist es, ihren olympischen Triumph zu wiederholen und an den Spielen 2028 in Los Angeles teilzunehmen. Aktuell konzentriert sie sich aber auf die Vorbereitung auf die nächste Weltmeisterschaft, die 2026 in Deutschland abgehalten wird

